Wort zum Monat Oktober 2008

Du machst fröhlich, was da lebet im Osten wie im Westen.

(Psalm 65, 5)

Für die meisten von uns ist die Urlaubszeit vorbei. Wir schauen zurück und erinnern uns an Tage der Ruhe, der Entspannung und Entdeckungen. Urlaubszeit ist für uns auch Begegnungszeit – Begegnungen mit anderen Menschen und anderen Kulturen. Besonders interessiert uns, wie in anderen Ländern Menschen Ihren Glauben an Jesus Christus leben und bezeugen.

Unser Reiseziel war in diesem Jahr wiederholt die kanarische Insel La Gomera. Eine grüne Wanderinsel, ohne  Massentourismus.  Nach sechs Stunden Flug ist Zwischenstopp auf Teneriffa. Wir warten auf die Passage mit der Fähre,  bummeln durch das Hafenviertel und folgen schließlich dem Geläut einer Glocke. Es ist samstags 19 Uhr. Wir folgen einigen Frauen, die scheinbar auch auf dem Weg zur nahe gelegenen Kirche sind. Als wir den Kirchenraum betreten, sind alle Bänke besetzt – keine Touristen, dem Augenschein nach alles Einheimische – Männer, Frauen und Kinder. Wir bleiben hinter der weit geöffneten Tür stehen. Ein Vater kommt mit seinen Töchtern und findet noch Platz auf der Empore, eine junge Frau schiebt den Kinderwagen zur Seitentür herein. Die Messe beginnt. Der Pfarrer singt die Liturgie und die versammelte Gemeinde antwortet mit einem temperamentvollen Gesang.

Tage später sind wir im Hafen in Valle Gran Rey, dem Tal des Großen Königs. Vorfreude ist in uns auf die Stunden, die vor uns liegen. Die Fischer feiern das Fest ihrer Schutzpatronin. Die kleine Kapelle im Hafen ist festlich mit Blumen geschmückt. Der Altar, der ein Schiff symbolisiert, ist hinaus ins Freie getragen. In wenigen Stunden werden die Menschen hier die Heilige Messe feiern. Jetzt sind die Fischer mit ihren bunt geschmückten Booten draußen auf dem Meer, später tragen sie singend und tanzend das Heiligenbild zur Kirche. Hier feiern Sie die Eucharistie, hören Gottes Wort und singen ihre Lieder. Auch wenn wir nur wenig verstehen, fühlen wir uns wohl als Fremde und Gäste unter den Inselbewohnern. Begeistert sind wir von der tiefen Symbolik, der Altar – das Schiff, die Kanzel – der Anker.  Alles liebevoll mit der üppigen Blütenpracht der Kanaren geschmückt.

Im Zentrum des Ortes steht ein moderner Kirchenbau aus Beton. Nach anstrengenden Wanderungen suchen wir hier Ruhe und Einkehr. Diesmal sind es die Wandbilder eines einheimischen Künstlers, die uns in ihren Bann ziehen – Bilder, die von der Liebe des „Großen Königs“ Jesus Christus erzählen.

Wir konnten erleben: „Du machst fröhlich, was da lebet im ... Westen. Und im Osten? Wieder nach Hause zurückgekehrt berichten uns Freunde voller Begeisterung von ihrer Reise in den Osten, nach Lettland und den Erlebnissen, die sie dort mit Christen in der Gemeinde von Usma hatten. Wirklich: Gott macht fröhlich, was da lebt im Osten und im Westen.

          „Die Sonne, die uns sinkt, bringt drüben den Menschen überm Meer das Licht:
          und immer wird ein Mund sich üben, der Dank für deine Taten spricht.“
Aus:
„Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen“ von Gerhard Valentin 1964,
nach dem englischen »The day thou gavest, Lord, is ended«


Allen Lesern fröhlich machende Erfahrungen im Glauben und auf euren Reisen nach Osten und in den Westen gute Begegnungen mit den Menschen und Christen dieser Länder.


Diakon Helmut Richter


Helmut Richter
Diakon und Mitglied der Bezirkssynode, Moritzburg

Homepage: Tagungsherberge am Ev.-luth. Diakonenhaus Moritzberg e.V.
Die Meditationen wurden veröffentlicht im Rahmen der
Homepage der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover.
Die Rechte an den Texten liegen bei den Verfassern.


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